Vergabekompass

Glossar · EU-weite Ausschreibung

EU-weite Ausschreibung

Eine EU-weite Ausschreibung ist ein Vergabeverfahren, das im europäischen Amtsblatt (TED) bekanntgemacht wird und den Regeln des GWB-Vergaberechts folgt. Ob sie Pflicht ist, entscheidet allein der geschätzte Netto-Auftragswert im Verhältnis zum EU-Schwellenwert.

Vergabekompass Redaktion · Aktualisiert am

Wann ist eine EU-weite Ausschreibung erforderlich?

Maßgeblich ist der geschätzte Netto-Auftragswert der gesamten Leistung inklusive Optionen, Verlängerungen und aller Lose. Erreicht oder überschreitet er den für die Auftragsart einschlägigen EU-Schwellenwert, gilt der Vierte Teil des GWB — und damit EU-weite Bekanntmachung, VgV bzw. VOB/A Abschnitt 2 und Rechtsschutz vor der Vergabekammer.

Die Schwellen unterscheiden sich nach Auftragsart (Bau, Liefer-/Dienstleistung, soziale Dienstleistungen) und nach Auftraggeber (oberste Bundesbehörden, sonstige Auftraggeber, Sektoren, Verteidigung). Die jeweils gültigen Beträge setzt die EU-Kommission turnusmäßig neu fest.

Was bedeutet „unter EU-Schwellenwert“?

Unterhalb der Schwelle bleibt die Vergabe national. Für Liefer- und Dienstleistungen greift die UVgO (bzw. Landesvergaberecht), für Bauleistungen VOB/A Abschnitt 1. Praktische Folgen für Bieter:

  • Bekanntmachung nur national — auf Bundes-, Landes- oder kommunalen Portalen, nicht auf TED.
  • Auch eine beschränkte Ausschreibung oder Verhandlungsvergabe ist unter engeren Voraussetzungen zulässig.
  • Kein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer; Rechtsschutz läuft über die Zivilgerichte bzw. die Aufsicht.
  • Kürzere Fristen — wer nicht laufend beobachtet, sieht die Bekanntmachung oft zu spät.

Wie lange muss eine EU-weite Ausschreibung veröffentlicht werden?

Es gibt keine „Aushangdauer“, sondern Mindestfristen für den Eingang von Angeboten oder Teilnahmeanträgen, gerechnet ab dem Tag nach Absendung der Bekanntmachung an das EU-Amtsblatt. Die Länge hängt von der Verfahrensart ab: offenes Verfahren, nicht offenes Verfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb, Verhandlungsverfahren oder wettbewerblicher Dialog haben jeweils eigene Werte.

Verkürzungen sind möglich — etwa bei elektronischer Angebotsabgabe, bei einer Vorinformation oder bei hinreichend begründeter Dringlichkeit. Werden die Vergabeunterlagen wesentlich geändert, ist die Frist angemessen zu verlängern. Verbindlich ist immer der in der Bekanntmachung genannte Submissionstermin.

Wo finde ich EU-Ausschreibungen?

Oberschwellige Vergaben erscheinen auf TED, dem Amtsblatt der EU — seit der Umstellung auf eForms strukturiert und maschinenlesbar. Die eigentlichen Vergabeunterlagen und die Angebotsabgabe laufen jedoch über das Portal des jeweiligen Auftraggebers, und unterschwellige Verfahren tauchen dort gar nicht auf. Wer sein Marktumfeld vollständig sehen will, muss also mehrere offizielle Quellen parallel beobachten — EU, Bund, Länder und kommunale Bekanntmachungssysteme.

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FAQ

Wann ist eine EU-weite Ausschreibung erforderlich?
Sobald der geschätzte Netto-Auftragswert der gesamten Leistung — inklusive Optionen, Verlängerungen und aller Lose — den für die Auftragsart und den Auftraggeber einschlägigen EU-Schwellenwert erreicht. Dann gilt der Vierte Teil des GWB mit Bekanntmachung auf TED.
Was bedeutet „unter EU-Schwellenwert“ bei einer beschränkten Ausschreibung?
Liegt der geschätzte Auftragswert unter der EU-Schwelle, gilt nationales Vergaberecht (UVgO oder VOB/A Abschnitt 1). Dort ist eine beschränkte Ausschreibung mit begrenztem Bieterkreis unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, ohne EU-weite Bekanntmachung und ohne Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer.
Wie lange muss eine öffentliche EU-Ausschreibung veröffentlicht werden?
Es gilt keine feste Aushangdauer, sondern eine Mindestfrist für den Eingang von Angeboten oder Teilnahmeanträgen ab Absendung der Bekanntmachung. Ihre Länge richtet sich nach der Verfahrensart; Verkürzungen sind etwa bei Vorinformation, elektronischer Abgabe oder begründeter Dringlichkeit möglich.
Wo finde ich EU-Ausschreibungen?
Oberschwellige Vergaben werden auf TED, dem Amtsblatt der EU, bekanntgemacht. Unterlagen und Angebotsabgabe laufen über das Portal des jeweiligen Auftraggebers; unterschwellige Verfahren erscheinen ausschließlich auf nationalen, Landes- oder kommunalen Portalen.
Muss ein Auftrag EU-weit ausgeschrieben werden, wenn er in Lose geteilt ist?
Ja, wenn der Gesamtwert aller Lose die Schwelle erreicht. Eine Aufteilung mit dem Ziel, das EU-Vergaberecht zu umgehen, ist unzulässig; für einzelne kleine Lose gibt es eng begrenzte Ausnahmen.
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