Vergabekompass

Glossar · UVgO

UVgO — Unterschwellenvergabeordnung

Die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) regelt die Vergabe öffentlicher Liefer- und Dienstleistungsaufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Sie ersetzt seit 2017 schrittweise die alte VOL/A und gilt erst, wenn ein Bund oder Land sie per Haushaltsrecht in Kraft gesetzt hat.

Vergabekompass Redaktion · Aktualisiert am

Wofür gilt die UVgO?

Die UVgO greift für Liefer- und Dienstleistungsaufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Oberhalb der Schwelle gelten stattdessen GWB und VgV. Bauleistungen sind ausgenommen — sie folgen unterhalb der Schwelle der VOB/A Abschnitt 1.

Wichtig: Die UVgO ist kein unmittelbar geltendes Bundesrecht für alle. Sie wird durch Haushaltsrecht von Bund und Ländern in Kraft gesetzt. Einige Länder wenden weiterhin die VOL/A an oder haben eigene Wertgrenzenerlasse. Prüfe deshalb in der Bekanntmachung immer, auf welche Vergabeordnung sich der Auftraggeber beruft.

Verfahrensarten nach UVgO

  • Öffentliche Ausschreibung (§ 9) — unbeschränkter Bieterkreis, öffentlich bekannt gemacht. Regelverfahren.
  • Beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb (§ 10) — vorgeschalteter Teilnahmewettbewerb, danach Angebotsaufforderung an geeignete Bewerber.
  • Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb (§ 11) — nur bei engen Ausnahmegründen.
  • Verhandlungsvergabe (§ 12) — mit oder ohne Teilnahmewettbewerb, Verhandlung über Angebotsinhalte zulässig.
  • Direktauftrag (§ 14) — formlose Beauftragung bis zur jeweiligen Wertgrenze.

Was Bieter praktisch beachten sollten

Unterschwellige Verfahren werden nicht auf TED veröffentlicht, sondern auf nationalen Vergabeplattformen und teils nur auf der Website des Auftraggebers. Genau hier gehen Chancen verloren: Fristen sind kürzer als oberhalb der Schwelle, oft nur 10 bis 20 Kalendertage.

Praxis-Tipps:

  • Formblätter vollständig einreichen — Nachforderung ist zulässig, aber nicht garantiert.
  • Eignungsnachweise aktuell halten (Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Berufshaftpflicht, Referenzen).
  • Rechtsschutz ist begrenzt: unterhalb der Schwelle bleibt in der Regel nur der Zivilrechtsweg oder die Rüge beim Auftraggeber.

Verwandte Begriffe und passende Branchen

Alle Definitionen im Überblick: Vergabekompass Glossar.

FAQ

Gilt die UVgO in allen Bundesländern?
Nein. Die UVgO gilt erst, wenn Bund oder Land sie haushaltsrechtlich in Kraft gesetzt haben. Einzelne Länder wenden weiterhin die VOL/A oder eigene Regelungen an.
Gilt die UVgO auch für Bauleistungen?
Nein. Für Bauaufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte gilt die VOB/A Abschnitt 1.
Bis zu welchem Wert ist ein Direktauftrag zulässig?
Nach § 14 UVgO bis 1.000 Euro netto. Viele Länder und der Bund haben diese Grenze durch Erlasse befristet oder dauerhaft angehoben — die konkrete Wertgrenze ergibt sich aus dem jeweiligen Landesrecht.
Kann ich eine unterschwellige Vergabe nachprüfen lassen?
Ein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer gibt es unterhalb der Schwellenwerte nicht. In Betracht kommen eine Rüge beim Auftraggeber und, je nach Fall, einstweiliger Rechtsschutz vor den Zivilgerichten.
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